Mittwoch 29 April 2026, 22:00

Entscheidung des FIFA-Rats gibt afghanischen Frauen ihre Identität zurück

  • Afghanisches Frauenflüchtlingsteam für FIFA-Wettbewerbe zugelassen

  • FIFA-Präsident Gianni Infantino teilt Team die Entscheidung in privatem Videoanruf mit

  • Ehemalige Kapitänin Khalida Popal: Entscheidung gibt allen Frauen und Mädchen in Afghanistan eine Stimme

Afghanische Spielerinnen erklärten nach der Entscheidung des FIFA-Rats, afghanischen Frauen die Vertretung ihres Landes bei offiziellen Länderspielen zu ermöglichen, sie hätten dadurch ihre Identität zurückgewonnen. Die Spielerinnen erfuhren bei einem emotionalen Telefongespräch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino von der Entscheidung. Mehrere Mitglieder des afghanischen Frauenflüchtlingsteams erklärten ihm gegenüber, dies sei der Augenblick, von dem sie alle geträumt hätten.

„Es ist wirklich schwer, seine Identität zu verlieren. Es ist, als würde man nirgendwo hingehören“, sagte die ehemalige Kapitänin des afghanischen Frauennationalteams Khalida Popal, die sich mit all ihrer Kraft dafür eingesetzt hatte, dass die Spielerinnen ihr Land bei FIFA-Wettbewerben vertreten dürfen. „Unsere Identität zurückzubekommen, ist ein starkes Zeichen, denn wir denken dabei nicht nur an uns selbst, sondern an jedes Mädchen, das Träume hatte und noch Träume hat.“

„Diese Anerkennung gibt uns die Plattform und die Möglichkeit, unseren Schwestern, die ihre Rechte und ihre Stimme verloren haben, eine Stimme zu geben. Wir wollen den afghanischen Mädchen und Frauen die Botschaft übermitteln, dass sie nicht aufgeben sollen. Wir wissen, wie schwierig und hoffnungslos die Situation ist, aber wir wollen ihnen sagen, dass wir für sie da sind. Wir hören sie und werden ihnen eine Stimme geben.“

76th FIFA Congress - FIFA Meeting with Afghan Women's Football

Im Mai 2025 bewilligte der FIFA-Rat die Schaffung des afghanischen Frauenflüchtlingsteams, um afghanischen Spielerinnen, die außerhalb des Landes leben, strukturierte Spielmöglichkeiten zu geben. Die FIFA unterstützt das Team mit finanziellen Mitteln, Trainingslagern und Trainingsexperten. Im Oktober gab es dann ein bahnbrechendes Ereignis, als das Team bei der „FIFA Unites: Women's Series 2025™“ in Marokko sein Debüt gab. Vor den Augen des FIFA-Präsidenten traten die afghanischen Frauen gegen Tunesien, Tschad und Libyen an. Dank einer Änderung des FIFA-Governance-Reglements können sie jetzt noch einen Schritt weitergehen und an internationalen Pflichtspielen teilnehmen. „Das bedeutet viel für das afghanische Frauenfussball-Team. Wir haben so lange darum gekämpft“, erklärte Popal. „Afghanische Frauen befinden sich in einer sehr bewegenden Situation. Es fällt schwer, dabei nicht emotional zu werden. Wir hatten nie einen leichten Weg. Das ist unser Moment. Jetzt sind wir an der Reihe.“

Als Infantino die Spielerinnen per Online-Anruf über die Entscheidung informierte, sagte er: „Ich möchte Ihnen danken, weil Sie mir die Kraft und die Energie geben, an dieses Unternehmen, dieses Projekt zu glauben und alle potenziellen Hindernisse zu beseitigen, die es gab und in Zukunft geben wird. Das ist nicht von Belang. Gemeinsam können wir alles tun, was wir wollen. Gemeinsam können wir jedes Ergebnis erreichen. Dies ist historisch, es ist schön und fantastisch für Sie alle. Ich bin sehr stolz auf Sie.“

Popal war bei Infantinos Anruf in Vancouver (Kanada) dabei, nachdem der FIFA-Rat die Entscheidung gefällt hatte. „Es war ein unglaublich schöner Moment, mit im Raum zu sein und die Ankündigung direkt vom FIFA-Präsidenten zu hören, und zwar in Anwesenheit unserer Spielerinnen. Es bedeutet so viel, dass die Führenden im Fussball die Initiative ergriffen, uns gehört und anerkannt haben und dem Kampf unserer Spielerinnen mit Respekt begegnet sind“, sagte sie.

Libya v Afghan Women United - FIFA Unites: Women's Series 2025

Auch die aktuelle Kapitänin Fatima Haidari war bei dem Video-Anruf zugegen. „Wir glauben wirklich, dass es weitergehen kann. Damit senden wir eine starke Botschaft in die Welt. Dabei geht es nicht nur um die Mädchen in Afghanistan, nicht nur um uns und diesen historischen Augenblick, sondern um Frauen auf der ganzen Welt“, erklärte sie. Mit Blick auf das Turnier in Marokko sagte sie zu Gianni Infantino: „Als Sie mir den offiziellen Wimpel des afghanischen Frauenflüchtlingsteams überreicht haben, habe ich die historische Verantwortung gespürt, die damit verbunden ist.“

Die FIFA trifft nun alle nötigen administrativen und vorbereitenden Massnahmen, einschliesslich der Teamanmeldung sowie der Schaffung einer Betriebs- und Sportstruktur. Sie stellt zudem alle nötigen personellen, technischen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung, um einen sicheren, professionellen und nachhaltigen Zugang zu offiziellen Wettbewerben zu gewährleisten.

Libya v Afghan Women United - FIFA Unites: Women's Series 2025

„Obwohl die Vertreibung und die Trennung von unseren Familien schmerzhaft ist, werden wir weiter Fussball spielen und die Liebe in unseren Herzen behalten. Wir waren schon immer der Herzschlag der Frauen in Afghanistan, das betone ich immer wieder“, meinte Mursal Sadat, eine der Vize-Spielführerinnen des Teams. „Heute geben Sie uns die Hoffnung zurück und beweisen, dass die FIFA wirklich eine Heimat für alle Fussballer und Fussballerinnen auf der ganzen Welt ist – und eine zweite Familie.“

Das Team wird vom 1. bis zum 9. Juni 2026 in Neuseeland sein nächstes Trainingslager abhalten und in diesem Rahmen auch gegen die Cook-Inseln spielen.

FIFA Unites: Women's Series - Media Day

Torhüterin und Vizekapitänin Fatima Yousufi beschrieb den Moment als unglaublich. „Ich bin sehr glücklich, weil unser Kampf damit beendet ist. Es ist wie eine Ziellinie und gleichzeitig ein Neuanfang für das Team,“ sagte sie. „Unser Team kann für diese Mädchen ein Symbol der Hoffnung sein, insbesondere für unser Land, Afghanistan, wo Mädchen noch immer um Bildungschancen kämpfen.“

Ihre Teamkameradin Manozh Noori fügte hinzu: „Das ist ein sehr bewegender Moment für all meine Mitspielerinnen. Ich habe am ganzen Leib gezittert und war einfach nur überwältigt. Ich habe versucht zu lächeln und so zu tun, als würde ich nicht weinen. Aber ich musste einfach vor Glück weinen. Wenn mich jemand nach dem schönsten Augenblick meines Lebens fragen würde, dann würde ich diese Ankündigung nennen.“