Donnerstag 27 Oktober 2022, 21:00

Carlton Gomes: 70-jähriger Volunteer und das Herz am rechten Fleck

  • Mit 70 Jahren ist Carlton Gomes der älteste Volunteer bei Indien 2022

  • Er empfängt die VIPs im Stadion von Goa

  • "Ich erfülle mir einen Traum, indem ich Teil dieser wunderbaren Weltmeisterschaft bin", sagte er der FIFA

Bei der FIFA U-17-Frauen-WM Indien 2022 muss man nicht 16 oder 17 Jahre alt sein und sein Land vertreten, um seine Kindheitsträume zu verwirklichen.

Nein, man kann auch 70 Jahre alt sein, bei der WM dabei sein und damit ein Lebensziel erreichen. Zum zweiten Mal!

So wie Carlton Gomes, ein Einwohner von Goa, der anders ist als alle anderen. Er ist nämlich der älteste Volunteer bei der FIFA U-17-Frauen-WM Indien 2022™ und kümmert sich um den Empfang der VIPS im Pandit-Jawaharlal-Nehru-Stadion. Diesen Posten hatte er schon während der U-17-Weltmeisterschaft der Männer 2017 inne, die ebenfalls in seiner Heimat stattfand.

Beim Turnier 2022 konnte er unter anderem Ibrahim Gusau, den Präsidenten des nigerianischen Fußballverbands, und Johanna Wood, die Präsidentin des neuseeländischen Fußballverbands und Mitglied des FIFA-Rats zu den Halbfinalspielen begrüßen. Vor allem aber genoss er die Erfahrung, die er zum zweiten Mal machen durfte.

"Die Fußballerinnen, die hier zu sehen sind, geben den Anstoß für ihren Traum", erklärt Carlton Gomes in einem Interview mit der FIFA und bezieht sich dabei auf das Motto des Turniers: Kick off the dream. "Das gilt auch für mich. Jedes Mal, wenn ich als Volunteer das Stadion betrete, erfülle ich mir einen Traum, indem ich ein Teil dieser wunderbaren Weltmeisterschaft bin."

"Mir wurde gesagt, dass ich mit meinen 70 Jahren der älteste freiwillige Helfer an den drei Austragungsorten Bhubaneswar, Goa und Mumbai sei. Ich danke Gott dafür, dass er mir die Energie und die Inspiration gegeben hat, um hier zu sein, aber auch meiner Familie für ihre Unterstützung. Ich habe den Eindruck, wirklich am Turnier teilzunehmen. Wenn ich jünger wäre, würde ich vielleicht sogar mal auf den Platz gehen und kicken!"

Nigeria v Colombia: FIFA U-17 Women's World Cup 2022 Semi-Final

Dabei war der ehemalige Bahnangestellte nicht unbedingt dafür prädestiniert, seinen Traum in einem Fußballstadion zu verwirklichen. Der ehemalige Hockeytorwart und dreimalige indische Nationalspieler wurde nie für eine Weltmeisterschaft berufen – was er sehr bedauert – und trat 2012 in den Ruhestand. Als Trainer nahm er an den Special Olympics 2013 teil und verhalf der Hockeymannschaft der Frauen zur Goldmedaille und ihrem männlichen Pendant zur Silbermedaille.

"Ich habe für die Eisenbahn Fußball gespielt, aber nie auf hohem Niveau; Hockey war meine Priorität", erklärt der 70-Jährige. "Mein Hockeytrainer meinte, ich solle Fußball spielen, weil es mir helfen könnte, einen gewissen Rhythmus für die Hockeytore zu bekommen."

Gomes erzählt auch, dass Fußball, der unter den beliebtesten Sportarten Indiens weit hinter Cricket und Hockey zurücksteht, eigentlich einen wichtigen Platz in den Herzen der Menschen der Provinz Goa einnimmt, da die Region stark von den Portugiesen geprägt wurde. "Die Leute in Goa haben den Fußball im Blut. Goa, aber auch die Region um Kolkata, hat einige der besten indischen Fußballspieler hervorgebracht."

Als echter Kenner der Materie war er vom Niveau der Mannschaften, die im Rahmen der U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in seiner Heimatstadt Goa gastierten, schwer beeindruckt. Mit Chile, Neuseeland, Deutschland, Nigeria, Kanada, Frankreich, Japan, Tansania, USA, Marokko, Kolumbien, Mexiko und Spanien hat Gomes 13 der 16 Mannschaften des Turniers spielen sehen.

"Die fußballerische Qualität und die körperliche Verfassung aller Mannschaften sind wirklich außergewöhnlich", sagte er. "Ich hoffe, dass es auch dem indischen Team eines Tages gelingt, ein ähnliches Niveau zu erreichen."

Bis dahin ist Carlton Gomes einfach nur stolz darauf, dass er eine Gruppe außergewöhnlicher Volunteers leiten durfte, die wie ihr Chef das Herz am rechten Fleck haben. "Ich habe dank des lokalen Organisationskomitees und dank der FIFA viel gelernt. Nicht nur dieses Jahr, sondern auch schon 2017. Ich habe sehr viele Erinnerungen und habe ein Album voller Fotos angelegt."

Lernen, schöne Erinnerungen und eine wunderbare Erfahrung: Die Ziele sind in Indien immer die gleichen – ob man nun erst 16 oder 17 Jahre alt ist, oder eben schon 70!

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