Paradigmenwechsel in der Governance des Profifussballs durch Grundsatzvereinbarung über neue globale Plattform für den sozialen Dialog unter Vorsitz der FIFA: gemeinsame Beschlüsse über Transfersystem und Standards für das Wohlbefinden der Spieler
Rücknahme aller von der FIFPRO, ihren kontinentalen Divisionen und Mitgliedsgewerkschaften eingeleiteten Rechtsverfahren gegen die FIFA sowie jeglicher Unterstützung für solche Verfahren
FIFPRO als das globale Vertretungsorgan von Profispielern und als der Sozialpartner zur Vertretung von Spielern als Arbeitnehmer anerkannt
Einen Tag vor Beginn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ haben die FIFA und die FIFPRO eine historische Grundsatzvereinbarung abgeschlossen, mit der ein neues Kapitel der Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen und für die Fussballführung im Allgemeinen aufgeschlagen wird. Die Vereinbarung tritt sofort in Kraft und gilt bis zum 31. Dezember 2031. Damit wird ein moderner Governance-Rahmen abgesteckt, der auf dem sozialen Dialog basiert, die Präsenz der FIFPRO in den institutionellen Strukturen der FIFA stärkt und den Weg für eine enge Zusammenarbeit bei einer Reihe von Themen ebnet, die von gemeinsamem Interesse sind.
Mit Blick auf die Grundsatzvereinbarung und darin enthaltenen Verpflichtungen, haben die FIFPRO und ihre kontinentalen Divisionen entschieden, alle bestehenden Rechtsverfahren gegen die FIFA sowie die Unterstützung für solche Verfahren zurückzuziehen und auch künftig keine Rechtsverfahren ausserhalb des regulatorischen Rahmens des Fussballs anzustrengen oder zu unterstützen. Darüber hinaus wird die FIFPRO sicherstellen, dass ihre Mitgliedsgewerkschaften ihre Unterstützung für und Beteiligung an Rechtsverfahren gegen die FIFA zurücknehmen.
Kernpunkt der Grundsatzvereinbarung ist die Einrichtung einer globalen Plattform für den sozialen Dialog im Profifussball, geleitet und verwaltet von der FIFA, die Arbeitgeber (Klubs und Ligen) und Arbeitnehmer (Spieler) unter Beteiligung der Konföderationen an einen Tisch bringt. Die FIFPRO wird als der globale Sozialpartner zur Vertretung von Spielern als Arbeitnehmern anerkannt. Die Arbeitgeber, also Ligen und Klubs, werden von der World Leagues Association (WLA) bzw. von European Football Clubs (EFC) als Sozialpartner vertreten.
Für die Plattform gelten gemeinsam vereinbarte Verfahrensregeln. Zudem werden spezielle Arbeitsgruppen eingesetzt, die sich auf folgende Bereiche konzentrieren: (i) das Transfersystem und regulatorische Angelegenheiten, (ii) nationale Transfersysteme und Unterstützung des sozialen Dialogs sowie (iii) das Wohlbefinden der Spieler und Standards für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.
Insbesondere werden künftige Änderungen am Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern (RSTS) von den Sozialpartnern gemeinsam vereinbart werden. Der gleiche Ansatz gilt für das Wohlbefinden der Spieler sowie für Standards für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, einschliesslich Ruhe- und Erholungsphasen für Spieler wie Urlaub, zwingende Ruheperioden und Aufbauphasen. In Abstimmung mit allen Anspruchsgruppen sollen weltweit in Wettbewerben des Profifussballs gemeinsam vereinbarte Standards umgesetzt werden.
Ebenfalls Neuland wird durch die Präsenz von Spielern in den Entscheidungsstrukturen der FIFA betreten. Um das gemeinsame Engagement für eine stärkere Mitsprache und angemessene Präsenz der Spieler in den Entscheidungsprozessen der FIFA zu untermauern, werden von der FIFPRO ernannte Vertreter dem Fussballgericht, den Rechtsorganen der FIFA, mehreren ständigen Kommissionen und dem Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsausschuss der FIFA angehören. Darüber hinaus wird die FIFPRO erstmals bei spielerbezogenen Themen als Beobachterin mit Rederechten im FIFA-Rat vertreten sein.
Ferner werden Entscheide, die die Arbeitsbelastung und Spielbedingungen von Spielern bei FIFA-Wettbewerben betreffen, im Rahmen einer strukturierten, abgestimmten Vorgehensweise unter Beteiligung von FIFA und FIFPRO getroffen. Beide Parteien haben sich ausserdem verpflichtet, gemeinsam eine ausgewogene Balance zwischen Wettbewerben auf globaler, kontinentaler und nationaler Ebene zu fördern. In der Grundsatzvereinbarung bekennt sich die FIFPRO zudem erneut zur Anerkennung der internationalen Spielkalender und zum Schutz der Spielberechtigung und Rechte der Spieler bezüglich ihrer Teilnahme an Nationalteamaktivitäten.
Weitere in der Grundsatzvereinbarung festgelegte Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit sind:
der FIFA-Fonds für Profispieler, der finanzielle Unterstützung an Spieler leistet, denen es nicht möglich ist, ihre ausstehenden Gehälter von ihren Klubs einzutreiben – dotiert mit insgesamt USD 20 Millionen für die Periode von 2026 bis 2029,
die Stärkung der Arbeitsbeziehungen zwischen den Interessengruppen des Fussballs auf nationaler Ebene, unter anderem in Bezug auf nationale Transferreglemente, Standardspielerverträge, Tarifverträge und nationale Kammern zur Beilegung von Streitigkeiten,
die Entwicklung globaler Mindeststandards für Frauennationalteams,
die Förderung der Ausschüttung eines fairen und angemessenen Anteils an Preisgeldern an die teilnehmenden Spieler bei FIFA-Wettbewerben auf A-Stufe,
Bildungs- und Aufklärungsprogramme für Spieler mit besonderem Fokus auf Spieler von Jugendnationalteams,
die technische und medizinische Forschung.
FIFA-Präsident Gianni Infantino dazu: „Diese Grundsatzvereinbarung läutet eine neue Ära in der Beziehung zwischen der FIFA und der FIFPRO ein. Die Spieler prägen das Spiel, das wir alle lieben, und wir müssen für ihren Schutz und ihr Wohlergehen sorgen. Daher haben wir gemeinsam einen nachhaltigen Weg geschaffen, um sicherzustellen, dass Entscheide, die sie direkt betreffen, auf einem kollektiven Prozess und sozialem Dialog basieren. So funktioniert moderne Governance, und wir sind stolz, hier mit gutem Beispiel voranzugehen.“
FIFPRO-Präsident Sergio Marchi sagte: „Diese Vereinbarung ist im Fussball ein grosser Schritt nach vorn. Wenn Spielerinnen, Spieler und ihre Vertreter bei Entscheidungen, die ihre Karriere betreffen, eine gewichtige Stimme haben, kommt dies nicht nur den Spielerinnen und Spielern, sondern dem gesamten Fussball zugute. Als globale Organisation ist uns bewusst, dass viele Spielerinnen und Spieler rund um die Welt noch immer mit unterschiedlichen Realitäten konfrontiert sind und mehr Schutz und Unterstützung benötigen. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit zum Wohl der Spielerinnen und Spieler sowie des Fussballs.“
FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström erklärte: „Wir sind sehr stolz darauf, diese Grundsatzvereinbarung mit der FIFPRO am Vorabend der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 bekannt zu geben. Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesteckt und engagieren uns mit aller Kraft dafür, die Vereinbarung gemeinsam mit unseren Partnern von der FIFPRO umzusetzen. Diese neue Partnerschaft zeigt, was erreichbar ist, wenn man gemeinsam auf Lösungen hinarbeitet, die für beide Seiten akzeptabel sind. Die Schaffung der globalen Plattform für den sozialen Dialog ist ein besonderer Erfolg. Wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit der FIFPRO und den anderen Partnern im sozialen Dialog frühestmöglich ins Leben zu rufen.“
David Terrier, FIFPRO-Vorstandsmitglied und Präsident von FIFPRO Europe, fügte hinzu: „Diese Vereinbarung ist ein positiver Schritt für den Fussball und zeigt, dass sozialer Dialog zu Lösungen führen kann, von denen der gesamte Fussball profitiert. Den Spielern und ihren Gewerkschaften ging es bei ihrem Handeln nie um Konfrontation, sondern vielmehr um die Förderung eines Entscheidungsrahmens, der Spielern und ihren Vertretern ein gewichtiges Mitspracherecht gibt. Angesichts dieser Fortschritte zieht die FIFPRO alle bestehenden Klagen gegen die FIFA zurück.“